Dieses Wochenende war die zweite FrOSCon an der FH St. Augustin. Ich habe es leider nur am Samstag geschafft vorbeizuschauen. Aber auch diesmal war es wieder eine sehr interessante Konferenz mit (meiner Meinung nach) noch einmal deutlich mehr Besuchern als letztes Mal.

Außerdem bin ich auf die Architektur der FH St. Augustin neidisch. Muss ich hier wirklich mal sagen ;-)
Aber man geht ja nicht wegen der schönen Gebäude auf eine Softwarekonferenz. Meine Highlights am Samstag:
- Ralph Dehner fing um 11:15 an, in "Virtualisierung mit Xen" Völkerverständigung zu betreiben: "Versteht mr mich? I mein', des Bairische geht net weg, aber sonst versteht's mich, oder?" Ein witziger, frischer Talk zu einem Thema, das ich vorher komplett ignoriert hatte. Als Energiesparfan und unverbesserlicher Bastler werde ich mich jetzt aber sicher auch mal dransetzen, mehrere virtuelle Maschinen auf eine Hardware zu packen.
- In "Drupal in der Praxis: Erfahrungsberichte" habe ich zwar nur eine wesentlich neue Information mitgenommen (einen Trick, wie man Benutzern von Drupal übersichtlichere Eingabeseiten präsentieren kann: Einfach Rechte entziehen!), aber dafür ein Gefühl dafür bekommen, wie Profis mit Drupal arbeiten. Das finde ich bei solchen Konferenzen sowieso genauso interessant wie die Vorträge selbst: Einfach mal erfahreneren Leuten beim "machen" zuschauen und hier eine Tastenkombination, dort einen Befehl und dort eine Entwurfsidee abschauen.
- KDE4 bot mir leider kaum neues, zumindest kann ich jetzt aber sicher sein, dass KDE als Windows-Oberfläche noch auf sich warten lassen wird. Und auch Leute, die gern Amarok ohne Linux hätten, werden wohl noch warten müssen -- oder umsteigen ;-)
- Eigentlich bin ich danach für "Deployment von großen Linux-Installationen" einfach nur so dageblieben, weil's halt im gleichen Hörsaal weiterging. Und das war vermutlich die beste Entscheidung des Tages. Thomas Lange, Hauptentwickler des FAI-Projekts, legte zwar ein heftiges Vortragstempo hin (vermutlich lernen Unix-Gurus irgendwann, ganze Bildschirme auf einen Blick zu lesen; ich hänge noch in der Zeile-für-Zeile-Phase), konnte aber mit FAI ein sehr schönes Tool für die Installation vieler gleicher Maschinen zeigen. Beeindruckend auch seine Antwort auf fast alle "Kann FAI auch..."-Fragen: "Klar. Das is doch einfach." ;-)Wenn mir auch das Problem, das FAI lösen würde, eigentlich fehtl, konnte ich es doch wenigstens einem der Entwickler von CentOS empfehlen, mit dem ich in der Pause vorher über ein ähnliches Problem gesprochen hatte. Ich denke, mit FAI werde ich auf dem Stockert auch einmal experimentieren. Bei unter 20 Maschinen braucht man das nicht, aber es schadet ja nie, so was auch zu können...
Das Fazit dieses Jahr: Es waren immer noch viele Studenten und Aktivisten der Freie-Software-Szene da, aber auch spürbar mehr IT-Profis. Ich denke, die Talks deckten diesmal entweder kleinere Spezialgebiete oder sehr allgemeine, fast philosophische Fragen ab. Irgendwie fehlte da etwas mittendrin. Trotzdem hat es sich wirklich gelohnt, vorbeizuschauen - und selbst wenn jemand "sein" Themengebiet nicht findet, hat ein bisschen Horizonterweiterung noch nie geschadet. Außerdem muss man sich neben dem Vortragsprogramm auch immer anschauen, welche OSS-Projekte eigene Entwicklerräume bekommen haben, diese Projekte halten oft eigene Vorträge oder Workshops ab. Die FrOSCon ist auf jeden Fall eine tolle Konferenz, und ich kann jedem nur empfehlen, nächstes Mal vorbeizuschauen!
