Die MiTAC Book-PCs: Vernünftige Hardware

Unter Bezeichnungen wie „Book-PC” oder „Lan-Station” tauchen auf dem Gebrauchtmarkt und bei Online-Auktionen regelmäßig kompakte Büro-PCs der taiwanesischen Firma MiTAC auf. Es handelt sich meist um Celerons mit Taktraten zwischen etwa 300 und 450 MHz in Gehäusen, die optisch stark an Thin Clients erinnern. Es handelt sich aber um „richtige” PCs.

Eckdaten

Die Gehäuse dieser Rechnerfamilie sind sehr kompakt: mit 33 x 28 x 8,5 cm bleibt beim Transport in einem normalen Straßenrucksack noch ein ganzes Stück Luft.

Als Prozessoren werden, wie erwähnt, Celerons im Taktbereich zwischen 300 und 450 MHz eingesetzt; die Geräte sind mit 64 oder 128 MB Speicher erhältlich.

Die Kompaktheit hat ihren Preis: Als Disketten- und CD-Laufwerke werden die aus Laptops bekannten Slimline-Versionen verwendet, Mainboard und Prozessorkühler sind Spezialanfertigungen, und man muss mit gerade mal zwei Steckplätzen (je nach Modell zweimal PCI oder je einmal PCI und ISA) auskommen. Mehr Steckplätze sind auch nicht nötig: Die wichtigsten Peripheriegeräte (Grafik, Netzwerk, Sound, USB, Infrarot) sind auf dem Mainboard integriert. Nur die Festplatte ist ein 08/15-Modell.

Was ist daran so vernünftig?

Bei der obigen Beschreibung werden einige misstrauisch geworden sein — aus gutem Grund: die meisten Kompaktrechner sind nicht sehr gut verarbeitet und haben ungewöhnliche Hardware auf dem Mainboard integriert, was zu Treiberproblemen führt. Meist kann auf solchen Rechnern nur Windows eingesetzt werden. Das trifft auf die Book-PC-Serie glücklicherweise nicht zu.

  • Das Gehäuse ist mit Ausnahme der Frontblende vollständig aus Metall gefertigt und somit sehr stabil.
  • Sogar die aufwändige Gehäusemechanik ist spielfrei und robust ausgeführt.
  • Die Onboardkomponenten basieren auf Standardchips, somit gibt es keine Treiberprobleme. Die Chips sind von teilweise überraschend guter Qualität.
  • Als Chipsatz steht dem Celeron ein 440BX zur Seite - eine bekanntermassen problemlose Kombination.
  • Der Rechner braucht relativ wenig Strom und ist recht leise, ohne allerdings das Niveau eines Laptops zu erreichen.

Details zur Hardware

Prozessor Intel Celeron, versch. Taktraten
Chipsatz Intel BX440
Grafikchip ATI Rage LT Pro, auf Mainboard integriert
Soundchip Crystal CX4235-XQ3, auf Mainboard integriert
Netzwerkchip AMD 79C972, 10/100 MBit, NE2000-kompatibel, auf Mainboard integriert
IrDA-Controller BK6722

Beim Anschluss eines Slimline-CD-Laufwerks ist zu beachten, dass der entsprechende Anschluss auf der Backplane auch eine Versorgungsspannung führt. Obwohl normale IDE-Kabel passen, dürfen dort auf keinen Fall normale CD-Laufwerke angeschlossen werden! Dabei würde zumindest das Kabel, im schlimmsten Fall auch Backplane und Laufwerk zerstört werden.

Aufrüsten

MiTaC hat mit den verbauten Komponenten eine sehr gute Basis für Aufrüstaktionen gelegt. Herr Knopf, ein Leser dieser Seiten, hat mir umfangreiche Informationen zu seinen Umbauarbeiten zur Verfügung gestellt, wofür ich ihm an dieser Stelle nochmals herzlich danken möchte.

Hinweis: Ich habe keine der Änderungen in diesem Abschnitt selbst ausprobiert, werde Fragen dazu aber ggf. gern an den Autor weiterleiten. Für Änderungen und Umbauten an Hardware übernehmen der Originalautor und ich keine Haftung.

Von 366 auf 1000 MHz

Schreibt man die auf dem Mainboard aufgedruckte Tabelle mit den Jumpereinstellungen für die verschiedenen Takteinstellungen in folgende Form um, erkennt man das verwendete Schema:

1-2 3-4 5-6 7-8 Teilerverhältnis
0 0 0 0 1:2
0 0 0 1 1:2,5
0 0 1 0 1:3
0 0 1 1 1:3,5
0 1 0 0 1:4
0 1 0 1 1:4,5
0 1 1 0 1:5
0 1 1 1 1:5,5
1 0 0 0 1:6
1 0 0 1 1:6,5
1 0 1 0 1:7

- Ab hier sind die Kombinationen nicht mehr aufgedruckt -
1 0 1 1 1:7,5
1 1 0 0 1:8
1 1 0 1 1:8,5
1 1 1 0 1:9
1 1 1 1 1:9,5

Die höheren Teilerverhältnisse, die nicht mehr in der Tabelle auf dem Board aufgeführt sind, können einfach durch binäres weiter-„zählen” ermittelt werden, wie in der Tabelle gezeigt. Setzt man jetzt einen 1 GHz-Prozessor ein und verwendet das maximale Teilerverhältnis, erhält man einen nötigen Frontsidebustakt von 1000 Mhz / 9,5 = 105,26 MHz. Der Chipsatz unterstützt nominal 100 MHz - diese leichte Übertaktung scheint vertretbar.

Nun gibt es für den auf dem Board verwendeten Slot 1 zwar keine so schnellen Prozessoren, aber es gibt sehr günstig Adapter für Sockel-370-Prozessoren zu kaufen. Im Testrechner läuft ein 1 GHz-Celeron in einem solchen Adapter bei 105 MHz FSB-Takt und einem Teilerverhältnis von 1:9,5 bei 1,75 V Corespannung problemlos. Der Kühler muss allerdings durch einen mechanisch passenden und entsprechend leistungsfähigeren ersetzt werden. Ausserdem sollte die Northbridge einen größeren Passivkühlkörper erhalten (der Platz dafür ist leider durch die Festplatte beschränkt).

Nachrüsten eines UDMA-133-Controllers

Die beiden PCI-Slots erlauben natürlich auch das Nachrüsten von schnellen Festplattencontrollerkarten. Im Testrechner werden Festpatte und CD-Laufwerk jetzt von einer UDMA-133-Karte angesteuert. Nach Aussagen des Erbauers treten allerdings nun doch Hitzeprobleme auf — bei einem gegenüber dem Original mehr als drei Mal so schnell getakteten Prozessor, übertaktetem FSB und schneller Festplatte in dem engen Gehäuse ist das aber auch nicht unbedingt verwunderlich...

Alternative Betriebssysteme

Auf meinem Book-PC lief die Linux-Distribution von SuSE in der Version 8.1, wobei KDE3 auf dem relativ langsamen Rechner nicht so viel Laune macht — ich bevorzuge aber ohnehin den IceWM...

Sowohl die Installation über ftp als auch die Hardwareerkennung liefen ohne Probleme ab; alle installierten Komponenten funktionieren „out of the box”. Auch eine Testinstallation der Debian-Distribution „Woody” lief problemlos ab.

Um die Installation übers Netz durchführen zu können, was wegen des bei manchen Versionen fehlenden CD-Laufwerke das Einfachste sein kann, muss man dem Installationsprogramm über das Modul pcnet32 den eingebauten Netzwerkchip näherbringen.

Heute wäre für diese Hardware aber eine abgespeckte Distribution wie Zenwalk eine bessere Idee.