Natcomp 340S2 - Reparaturen am Notebook

Der natcomp 340S2 ist ein typisches Mittelklassegerät aus der Gerätegeneration vom Sommer 2001. Es ist ein recht unspektakuläres Gerät, das aber leider ein Paar „Ecken und Kanten” hat.

Hardware
Prozessor: Intel Celeron 600
Chipsatz: SiS 630, Treiber gibt's im SiS-Downloadbereich.
Grafik: SiS 730 (onboard)
Modem: integriertes Uniwill HAMR5600 - Winmodem (Hersteller ist SmartLink, Informationen bei Modem-Help.
Netzwerk: SiS 900, integrierter 10/100 MBit/s Controller
Sound: SiS 7018, integriert, SB- und AC97-kompatibel

Einen ganz ähnlichen Aufbau findet man z.B. auch beim Gericom Webboy und anderen preiswerten Geräten. Es scheint sogar so zu sein, dass das Grundgerüst eines „Personal Computer 340” in die verschiedensten Gehäuse gesteckt und unter verschiedenen Markennamen vertrieben wurde. Durch die weite Verbreitung des Barebones können auch Treiber, die von anderen Herstellern bereitgestellt werden, verwendet werden.

Inbetriebnahme

Ruhe, bitte!

Nach dem Einschalten fallen zunächst der laute, ständig laufende Lüfter und die kurze Akkulaufzeit auf. Diese Probleme konnte ich nicht lösen, sondern nur abmildern: Durch eine geeignete Softwarekonfiguration kann man immerhin erreichen, dass der Lüfter immer mit minimaler Drehzahl läuft und die Akkubetriebszeit um die zwei Stunden beträgt. Am wichtigsten ist dabei, dass das Betriebssystem sogenannte hlt-Befehle an den Prozessor schickt, wenn er nicht ausgelastet ist. Neuere Windows- und Linux-Versionen machen das ohnehin, bei älteren Windows-Versionen kann man „Kühlprogramme” wie Rain 2.0 verwenden.

Das Gerät sollte immer etwas Freiraum unter dem Lüftereinlass an der Unterseite haben, damit der Kühler genügend Frischluft bekommt.

Einrichten der Suspend-to-Disk-Funktion

Beim Suspend-to-Disk (kurz STD oder S4 genannt) handelt es sich um einen bei Notebooks sehr nützlichen Modus, in dem der gesamte Inhalt des RAM an einer besonderen Stelle auf der Festplatte gesichert wird. Nach dem „aufwachen” kann genau an der Stelle weitergearbeitet werden, wo der Rechner „schlafen geschickt” wurde.

Zur Speicherung der Daten muss eine Partition oder Datei auf der Platte angelegt werden, die die Größe des installierten Hauptspeichers hat. Beides erledigt das kleine Tool HDPREPEZ.EXE, das auf der dem Rechner beiliegenden Treiber-CD zu finden ist. Ich habe mich für eine kleine Partition entschieden.

Dabei wird eine versteckte Primärpartition erstellt, so dass man für Betriebssysteme etc. eine Partition weniger zur Verfügung hat. Zu beachten ist, während der Erstellung der Partition etwa 25% mehr unpartitionierter Platz vorhanden sein müssen als tatsächlich gebraucht wird. Mit Programmen wie PartitionMagic kann dieser „verschwendete” Platz danach wieder sinnvoll zugeordnet werden.

Bestehende Partitionen werden nicht zerstört, ein Backup wichtiger Daten ist aber trotzdem immer empfehlenswert!

Ein Blick ins BIOS

Im BIOS-Setup war bei meinem Gerät werksseitig fast alles richtig eingestellt. Verändert habe ich nur die Einstellungen im Bereich Power Management:

  • Power Management: Disabled
  • Power Switch Type: Suspend
  • LID Switch Type: Suspend
  • Suspend Mode: STD(S4)
  • RTC Alarm : Disabled

Das Betriebssystem kann sich, falls es APM-fähig ist, normalerweise besser und flexibler um das Powermanagement kümmern. Unter Windows sollte man unter Systemsteuerung - Energieverwaltung - Ruhezustand die Unterstützung für STD aktivieren. Dort kann man auch unter „Einstellungen” dafür sorgen, dass der Ein-/Aus-Schalter diesen Modus aktiviert. Nachteil: Das eingebaute Modem ist nach dem Aufwachen nicht mehr zu gebrauchen, so dass man neu starten muss.

BIOS-Updates: Never change...

... a running system. In letzter Zeit wurden einige Probleme mit BIOS-Updates bei diesem Gerät bekannt. Wenn also nicht wirklich Probleme vorliegen, die ein Update zwingend notwendig machen, sollte man davon Abstand nehmen.

Um nach einem erfolglosen Updateversuch den eventuell verstellten Prozessortakt wieder richtig einzustellen, kann man einen Dipschalter nutzen, der unter der Abdeckung des Prozessorkühlers versteckt ist.

Speicheraufrüstung: Fieseleien

Die beiden Steckplätze für Speichermodule befinden sich unter der Tastatur. Um Speicher aufzurüsten, sind zwei Schritte erforderlich:

  1. Einbau des Speichermoduls

    Am vorderen Rand der Tastatur (die Seite mit der Leertaste) befinden sich Rastnocken, die die Tastatur in Position halten. Insgesamt sind es drei Stück; die erste vor der rechten Hälfte der Taste "Fn", die zweite vor der rechten Hälfte von "Alt Gr" und die letzte zwischen "Pfeil runter" und "Pfeil rechts".

    Diese Rastnocken kann man mit einem feinen Schraubendreher nach vorn ins Gehäuse schieben (Federweg etwa 2 mm) und so die Tastatur freigeben. Wenn die Tastatur nicht von selbst hochfedert, muss man mit einem geeigneten Werkzeug (stumpfes Messer oder nicht ganz kurzer Fingernagel) unter eine Taste in der Nähe greifen und vorsichtig ein bisschen hochziehen. Wenn das bei allen Rastnocken geschafft ist, kann man die Tastatur vorn hochheben und hinten aus ihrer Führung ziehen. VORSICHT: Das Flachbandkabel, das die Tastatur mit dem Recher verbindet, ist nicht sooo lang...

    Der Einbau des Speicherriegels sollte keine Probleme machen. Es ist nur zu beachten, dass der Slot, der näher am Display liegt, immer belegt sein muss.

  2. Ändern der Partitionierung

    Nachdem nun der Arbeitsspeicher grösser geworden ist, muss natürlich noch die Grösse der Suspend-to-Disk-Partition angepasst werden. Dazu verkleinert man mit einem nicht-zerstörenden Partitionierungstool (wie z.B. PartitionMagic; fdisk ist nicht geeignet!) die bestehende Windows-Partition und verfährt dann wie in Einrichten der Suspend-to-Disk-Funktion beschrieben.

Keine harte Ware: Das Gehäuse

Riss im Deckel des Geräts

Leider ist das Gehäuse des Geräts nicht sehr gut verarbeitet. Während man sich mit dem leichten Knarzen der nachgiebigen Handballenauflagen noch arrangieren kann, sind andere Ermüdungserscheinungen problematischer: Bei meinem Laptop bekam der Deckel an einem Scharnier Risse. Um ein weiteres Ausreißen zu vermeiden, habe ich den Deckel innen mit Stahlblechen verstärkt. Diese „Operation” ist aber nichts „for the faint of the heart” — dabei kann man leicht mehr zerstören, als man rettet. Der folgende Text ist also nur dann als Anleitung zu verstehen, wenn man sich solche Arbeiten ruhigen Gewissens zutraut.

Zuerst wird die displayseitige Hälfte des Deckels abmontiert. Dazu löst man die vier unter Gummiabdeckungen versteckten Befestigungsschrauben, wobei man sich die Ausrichtung der Gummiabdeckungen merken sollte (sie haben alle eine kleine angespritzte Nase, die in ein Loch im Gehäuse greift). Jetzt wird der Rahmen „nur noch” von Rastverbindungen gehalten.

Wie im Bild zu sehen, sind diese Rasten relativ breit (etwa 1 cm) und außerdem bruchgefährdet. Die beste Vorgehensweise ist wohl, mit einem dünnen, stumpfen Messer mit elastischer Klinge (Radiermesser) vorsichtig eine Stelle zu suchen, hinter der keine Raste sitzt, und sich von dort aus durch vorsichtiges Aufrasten und Spalterweitern vorzuarbeiten. Diese Arbeit erfordert ziemlich viel Geduld und „kräftige Feinmotorik“...

Der Deckel muss, um weitere Schäden an den Scharnieren zu vermeiden, bei den folgenden Arbeitsschritten abgestützt werden. Die Scharniere tragen ihn nicht mehr selbstständig.

Wenn man es geschafft hat, wird der Aufbau des Deckels sichtbar: Die hintere Plastikhülle ist mit je zwei Schrauben an den beiden Scharnieren befestigt. Die EMV-Abschirmung nach hinten besorgt eine dicke Aluminiumfolie, auf die mit Kupferpads zwei U-Profile geklebt sind, die wiederum das Display halten. Eine „Alibiverschraubung” verbindet diese Profile mit den Scharnieren.

Verbindungspunkte an den Scharnieren

Auf dem Foto der beiden Scharniere wird das Problem in der Konstruktion deutlich: Wenn man den Deckel kippt, wird die Bewegungvon den beiden U-Profilen, die das LCD-Panel halten, auf die Schariere übertragen. Als Verbindung dienen nur die im Bild rot eingekreisten Schrauben! Die Rückwand hat über 1 mm Spiel, bis sie durch den Anpressdruck auf die Auflageflächen (sehen im Bild wie gelocht aus) die Scharniere bewegt. Somit verbiegt man vor allem das Plastik, und zwar solange, bis auch die relativ schwergängigen Scharniere sich zu einer Bewegung durchringen können. Dabei wird natürlich das Material der Rückwand stark beansprucht, was dann bei mir zum Riss führte.

Position der Bleche

Um die Kraftübertragung zu verbessern und die Rückwand zu verstärken, habe ich in den unten blau umrahmten Bereichen die Alufolie entfernt (nach dem Ausbau von Panel und U-Profilen kein Problem) und 0,5 mm dickes Stahlblech mit Sekundenkleber-Gel eingeklebt. Während der Abbindezeit muss das Blech mit leichten Schraubzwingen (Plastik) gut angedrückt werden.

Der eigentliche Riss wurde mit einem passend zurechtgesägten Messing-Winkelprofil stabilisiert (Position "A" im oberen Bild), das ebenfalls mit Sekundenkleber befestigt wurde.